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Ukiyo-e

Ukiyo-e

Ukiyo-e ist der Sammelbegriff für ein bestimmtes Genre der japanischen Malerei und Druckgrafik. In der Regel versteht man unter Ukiyo-e nur den Farbholzschnitt, aber in einem früheren Stadium der Entwicklung umfasste Ukiyo-e auch handgemalte Bilder und Illustrationen. Später kamen ein- und zweifarbige Holzdrucke hinzu. Die typischen Vielfarb-Drucke, wie sie später vor allem in Europa bekannt wurden, entstanden erst in einer späteren Phase. Bekannte Vertreter des Ukiyo-e waren Ando Hiroshige oder Katsushika Hokusai.

Charakteristisch für Ukiyo-e war, dass es zum ersten Mal Darstellungen des Alltagslebens der normalen Bevölkerung erfasste. Kunst wurde etwas, das nicht nur dem Adel vorbehalten war, sondern auch das erstarkende Bürgertum in den Städten (Osaka, Edo) begann sich stärker mit Kunst zu befassen. Klar ist, dass die Themen der Bilder sich wandelten. Man verlangte nach Darstellungen, die die irdische sinnliche Existenz des Menschen zum Ausdruck brachten.

Das wichtigste ist, dass der Einbruch einer neuen Ära (Edo-Zeit) auch auf die Kultur großen Einfluss ausübte. In der Edo-Zeit (1603-1868) wandelte sich der Alltag der Bevölkerung wesentlich aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen. Die Bevölkerung tendierte nach der irdischen, sinnlichen Existenz des Menschen.

Das aufkommende Bürgertum brachte eine Änderung der Motive in der Malerei mit sich. Das Alltagsleben der einfachen Menschen stand nach und nach mehr im Vordergrund.

Die Hauptmotive von Ukiyo-e spiegelten das Lebensgefühl und die Weltsicht des aufkommenden Bürgertums und der breiten Bevölkerungsmehrheit in den großen Städten Japans wider, insbesondere in Edo ( jetzige Tokio ).

Der Begriff Ukiyo-e setzt sich aus den Worten Ukiyo und e zusammen, wobei e Bild bedeutet. Ukiyo selbst bedeutet so viel wie: die fließende Welt, die vergängliche Welt.

Erster namentlich bekannter Künstler des Ukiyo-e war Hishikawa Moronobu (1618-1694). Im Jahr 1682 benutzt Hishikawa Moronobu in einem Buch das erste Mal den Begriff Ukiyo-e. Seine Werke waren größtenteils Buchillustrationen oder Porträts von Prostituierten aus dem Yoshiwara-Viertel, dem Vergnügungsviertel von Edo.

Moronobu fand schnell Nachahmer. Man begann Genrebilder zu malen, in denen das alltägliche Leben der Menschen, ihre Feste und ihre Umwelt dargestellt wurden. Wesentliches Verbreitungsmedium war zunächst die Malerei, die mit schwarz-weiß Drucken arbeitete.

Bald darauf wurde eine neue Technik, die Holzdruckplatte, entwickelt. Die Holzdruckplatten ermöglichten eine rasche Vervielfältigung der malerischen Entwürfe, so dass auf „Masse“ produzuert werden konnte und diese Kunst somit auch beim gewöhnlichen Volk schnell populär wurde.

Manche Maler konzentrierten sich auf die Darstellung von Schauspielern.

Aus den anfangs nur in schwarzen Umrisslinien gehaltenen Bildern wurden nach und nach die Mehrfarb-Holzschnitte entwickelt. Mitte des 18. Jahrhunderts (1765) schuf Suzuki Harunobu in enger Zusammenarbeit mit anderen Kunsthandwerkern den ersten Mehrfarb-Holzschnitt. Die Werke in dieser Art nennt man auch Nishiki-e, was die gleiche Bedeutung wie Ukiyo-e hat. Mit dem Mehrfarbendruck entstanden verschiedene Genres, zum Beispiel die Porträts von Geishas und Prostituierten (Bijin-ga) und von Kabuki-Darstellung und Puppentheaters, die großen und kleinen Stars der Theaterwelt und der Sumo-Arenen, die Bewohnerinnen der vielen Bordelle und sonstigen Vergnügungsetablissements, Szenen des Alltags, das Leben der Schönen und Reichen und zahlreiche Spielarten sexueller Fantasien. Später kamen dazu Landschafts- und Stadtansichten und Szenen aus dem Tier- und Pflanzenreich. Seine Bilder waren aufgrund der Farbenpracht eine Sensation .

Viele Ukiyo-e Maler folgten Harunobu nach. Und da die Farbenholzschnitte immer günstiger hergestellt werden konnten, lief eine richtige Massenproduktion an, damit die hohe Nachfrage in Edo gedeckt werden konnte. Ein Ukiyo-e Boom entstand. Das neue “Bürgertum” war begierig danach. die Traumbilder einer schönen und manchmal anrüchigen Welt zu betrachten.

Mit der Entwicklung des Mehrfarb-Holzschnittes entstand darüber hinaus eine völlig eigenständige Industrie, die zahlreichen Menschen Lohn und Brot sicherte und die mit ihren Produkten breiten Bevölkerungsschichten ein Auskommen bot.

Die Werke wurden fälschlicherweise oft einzelnen Künstlern zugeordnet, aber in Wahrheit waren sie Gemeinschaftsprodukte, an denen viele Personen beteiligt waren:: Mehrere hundert Verleger, die für Finanzierung und Vertrieb zuständig waren, ebenso Künstler, die für den feinen Pinselstrich verantwortlich waren, tausende Holzschneider, die das Motiv aufs Holz brachten und für jede Farbe eine Holzvorlage schufen. Und Drucker, die die Holzblöcke färbten und aufs Papier pressten.

Die Kunst des japanischen Farbholzschnittes hatte in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht. Aus der Zusammenarbeit von Verlegern, Künstlern, Holzschnitzern und Druckern entstanden in wenigen Jahrzehnten bis zum Ende der Edo-Zeit im Jahr 1868 Millionen von Drucken. Die meisten der besten Farbholzschnitte wurden in dieser Zeit geschaffen.

In dieser Zeit spielten die Künstler Kitagawa Utamaro, Katsushika Hokusai, Ando Hiroshige eine aktive und wichtige Rolle.

Kitagawa Utamaro malte sehr häufig schöne Frauen, und es gelang ihm, in diesen Porträts neben der äußeren Schönheit dieser Frauengestalten auch die Schönheit ihres Innenlebens zum Ausdruck zu bringen. Im Gegensatz zu ihm sind Katsushika Hokusai und Ando Hiroshige bekannt für ihre Landschaftsholzschnitte. Erst in der Edo- Zeit hatte man Gelegenheit zu reisen, entweder geschäftlich oder weil man auf Pilgerfahrt ging. Daher spiegelten diese Motive einen wichtigen Trend wider.

Das goldene Zeitalter des Ukiyo-e dauerte von etwa 1790 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der durch Waffengewalt erzwungenen Öffnung Japans im Jahr 1854 und dem Ende der Edo-Zeit 1868 gingen die Ukiyo-e langsam ihrem Ende entgegen. Nur wenige Künstler führten die Tradition der Ukiyo-e ungebrochen bis zum Ende des 19.Jahrhunderts fort. Viele japanische Künstler orientierten sich zunehmend an westlichen Einflüssen und auch die japanische Öffentlichkeit verlangte nach anderen Themen und Darstellungsformen.

In Japan hat man die Ukiyo-e nie als hohe Kunst empfunden, sondern als etwas Alltägliches wie Zeitungen oder Zeitschriften. Das änderte sich erst, als ausländische Sammler auf die Bilder aufmerksam wurden. Schon im späten 19. Jahrhundert gelangten japanische Holzschnitte in den europäischen Kunstmetropolen, und sie übten einen großen Einfluss auf die impressionistische Malerei aus. Zum Beispiel auf Künstler wie Matisse, Whistler, Degas, Monet und von Gogh.

 

 

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© Yumetabikoubou

Hokusai

Utamaro

Hiroshige

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“Menschen gehen durch den Schnee” von Ando Hiroshige

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Gehörnte Figur von Hokusai

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