Bild2a
BuiltWithNOF
Sumo

Sumo

Sumo ist der offizielle Nationalsport in Japan. Heute eher Profisport als Kampfkunst, geht Sumo auf alte Shinto-Ernterituale zurück. Deswegen ist die starke Bindung an den Shintoismus in vielen Sumo-Ritualen noch erkennbar.

Ziel des Kampfes ist es, den Gegner aus einem sandbedeckten, mit einem Strohseil abgesteckten Kreis, zu drängen oder ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt. Wenn der Kampf entschieden ist, ruft der Schiedsrichter ( gyouji ) den Sieger aus. Ein einzelner Kampf dauert meist nur einige Sekunden.

Geschichte

Die erste Erwähnung des Sumo findet sich in einer Schrift aus dem Jahr 712, dem Kojiki. Nach dem darin enthaltenen Mythos ist die Geschichte der japanischen Insel einst durch einen Sumo-Kampf zwischen zwei Göttern entschieden worden. Der Sieger dieses Kampfes gründete die Yamato-Dynastie. Die erste Erwähnung eines Sumo-Kampfes, der nur unter Menschen durchgeführt wurde, findet sich im Nihonshoki, einem weiteren berühmten Buch der japanischen Geschichtsschreibung.

Der Ursprung des Sumos ist immer noch unklar. Sehr wahrscheinlich kamen zwei Stile zusammen,

  • Ein erster Sumo-Stil kam aus China, er wurde als Ritual bei Begräbnisfeiern durchgeführt.
  • Ein zweiter Sumo-Stil kam aus Südostasien und war ein Ritual bei Erntefesten.

Im Lauf der Zeit wurden beide Sumo-Arten in Japan miteinander vermischt und zu einem neuen, eigenständigen Stil weiterentwickelt.

Die ersten historisch bezeugten Sumokämpfe wurden 642 am Hof der Kaiserin Kogyoku zur Unterhaltung einer Gesandtschaft aus Korea ausgetragen. Aus dem 8. Jahrhundert ist bekannt, dass Sumo-Kämpfe zur Unterhaltung des Kaiserhofs hauptsächlich in Kyoto veranstaltet wurden. Die Rikishi (Sumo- Kämpfer) stammten aus den Rängen der kaiserlichen Armee. Regelmäßige Veranstaltungen am Hof des Kaisers und die Etablierung erster Regelwerke fallen in die kulturelle Blütephase der Heian-Zeit. Später wurde Sumo auch im Volk ausgeübt, wobei die Kämpfe oft erst mit dem Tod eines der Kämpfer endeten.

1648 wurde Sumo vorübergehend verboten, weil Sumo durch wilde Kämpfe auf den Straßen, besonders in Edo (Tokyo), zu einem Ärgernis geworden war. Im Jahr 1684 wurde Sumo erneut erlaubt, aber nur unter der Bedingung, dass die Kämpfe öffentlich auf Arealen von Schreinen abgehalten wurden. Die Zuschauer mussten Eintritt bezahlen. Die Einnahmen wurden zur Deckung der Baukosten eines neuen Schreins oder der Renovierungskosten einer Brücke benutzt. Es entwickelte sich zu dieser Zeit eine offizielle Sumo-Organisation, die auf Verfügung der Verwaltung von Edo ab 1719 nur noch aus professionellen Ringern bestand. Das war der Beginn des professionellen Sumos. Es wurde ein offizielles Reglement eingeführt. Danach durften nur 48 Sieg-Techniken beim Kampf benutzt werden. Aus diesem Sumo hat sich das moderne, gegenwärtige Sumo entwickelt, das gewöhnlich O-zumo (es bedeutet wörtlich Großes Sumo) genannt wird.

1781 gab es in Edo eine große Feuersbrunst, der gut 100000 Menschen zum Opfer fielen. Die Überlebenden hatten große Schwierigkeiten, ihre Existenz zu sichern. Etwa 180000 Menschen waren von heute auf morgen ohne Arbeit. Aus der Not heraus wurden viele der Überlebenden Schüler bei einem Sumo-Meister und später Sumo-Ringer.

Außer dem professionellen Sumo gab es in der sinnenfreudigen und oft dakadenten Edo-Zeit auch Frauen-Sumo. Zuerst traten die Kämpferinnen wie ihre männlichen Kollegen nur mit einem Lendentuch bekleidet auf, dann verfügte die Obrigkeit ein züchtigeres Trikot. Was das traditionelle Sumo betrifft, durften Frauen den Kampfring (dohyo) allerdings nicht einmal betreten.

Die Entwicklung des Sumos wurde am Ende der Edo-Zeit unterbrochen. Die Meiji-Restauration ließ 1868 das Feudalsystem verschwinden, und damit auch die vermögenden Fürsten als Sponsoren. Durch die Fixierung auf die westliche Welt sank der Status des Sumo. Aber im Jahr 1884 ließ der Meiji-Kaiser erneut ein Sumoturnier veranstalten. Der Kaiser war nämlich selbst begeisterter Sumo-Ringer. Durch sein Beispiel wurde Sumo zu einem Nationalsport, das wieder zu alter Popularität zurückfand.

 

Die Beziehung zwischen Sumo und Shintoismus

Man kann in vielen Sumo-Ritualen den Einfluss des Shintoismus finden.

  • Die Yokozuna (höchstrangige Kämpfer) zeigen vor dem Kampf ein Ritual in zeremoniellen Schürzen, umgürtet mit einem Hanfstrick, der mit Papier behängt ist (wie in einem Shinto-Schrein). Dieser Meister führt das shiko durch, (Beineheben, dann Aufstampfen), um den Gegner einzuschüchtern und um das Böse abzuschrecken.
  • Das Salzstreuen: Das Salz soll den Kampfring und den bevorstehenden Kampf reinigen. Die Reihenfolge des Rituals: Salz streuen, Aufstampfen mit den Beinen, Klatschen mit den Händen, die Hände heben, in die Hocke gehen, dann beginnt der Kampf.
  • Der Schiedsrichter gießt etwas Sake in den Ring. Es ist Teil der Weihzeremonie vor dem Wettkampf. Der Kampfring ist eine Plattform aus Lehm, begrenzt von einem Viereck aus versenkten Reisstrohballen.
  • Der Kampfring wird von einem Dach überspannt, das an einen Shinto-Schrein erinnert. In den Ecken des Dachs hängen vier verschiedenfarbige Quasten, für jede Jahreszeit eine.
  • Sumokämpfe als Ritual: Sumo als ein reines Ritual findet immer noch in manchen Schreinen statt. Diese Kämpfe dienen dem Frieden der Welt, dem Gedeihen der Nachkommenschaft, einer guten Ernte oder einem guten Fischfang.

 

Sumo heute

Im Alter von 15 Jahren werden Jungen in einem Sumo-Heya ( Ringerstall ) aufgenommen. Mehrere Jahre dürfen sie nicht mehr nach Hause kommen. Weil Sumo sehr streng hierarchisch ist, müssen die Neulinge den Älteren dienen und für den ganzen Heya kochen und putzen. Sie haben am Anfang viele Aufgaben, die nichts mit Sport zu tun haben. Der erste und höchste Rang heißt Yokozuna, der zweite ist der Ozeki-Rang. Die Sumo-Ringer, die diesen Rang erreicht haben, können sich von ihren jüngeren Kollegen bedienen lassen.

Die einzige Mahlzeit des Tages am Mittag besteht oft aus chanko-nabe, einem kalorienreichen Eintopfgericht. (Wobei die Jungen nur essen dürfen, was die Alten übrig lassen). Die meisten japanischen Sumo-Ringer wiegen etwa 110 bis 150 Kilogramm.

Der schwerste Rikishi (Sumo-Ringer) aller Zeiten war der Hawaiianer Konishiki, der etwa 260 Kilogramm auf die Waage brachte. Im Sumo gibt es keine Gewichtsklassen. Die Ränge sind: Yokozuna, Ozeki, Sekiwake, Komusubi, Maegashira und ein Rang ohne Titel.

Rikishis tragen nur den traditionellen Lendengurt (mawashi). Die spezielle Frisur der Sumokämpfer heißt Mage. Die Haare werden geölt und zum Dutt hoch gesteckt.

Gegenwärtig finden 6 Mal pro Jahr Turniere an wechselnden Austragungsorten statt, ein Turnier dauert jeweils 15 Tage.

 

Der Alltag der Sumo-Ringer

Alle Sumo-Ringer gehören zu einer Sumo-Schule (Ringerstall=Heya). Es gibt momentan 54 Ringerställe in Japan. Erfolgreiche frühere Sumo-Ringer gründen und führen einen eigenen Stall, nachdem sie zurückgetreten sind. Ein Sumo-Ringer trainiert und wohnt in dem Stall, solange er keinen hohen Rang erreicht hat. Im Alter von etwa 15 Jahren beginnen sie ihre Laufbahn in der untersten Liga. Bis sie die zweite Division erreichen, kriegen sie kein festes Gehalt. Sie erhalten nur Kost, Logis und einen kleinen Turnierbonus.

Etwa um 5:00 Uhr morgens stehen die Ringer in der niedrigeren Division auf und fangen an zu trainieren. Die harten ermüdenden Übungen dienen dazu, Geschmeidigkeit und Kraft zu entwickeln. Jeder Ringerstall verfügt über einen eigenen Trainingsring. Der Ring (dohyo) besteht aus einem erhöhten Podest, auf dem ein Kreis mit 4,55 Meter Durchmesser abgegrenzt ist.

Die Ringer in der höheren Liga schließen sich dem Training später am Tag an. Am Ende der täglichen Übung finden Übungskämpfe innerhalb des Stalls statt. Um 8:00 Uhr beginnen die Ringer in der niedrigeren Division langsam das Frühstück für alle vorzubereiten. Das Essen für Sumo-Ringer wird „Chanko“ genannt. Nach dem Training duschen die Sumo-Ringer nach ihrem Rang, sie lassen sich frisieren, und um 11:00 Uhr beginnen sie zu frühstücken. Zuerst essen die hochrangigen Sumo-Ringer, und wenn sie damit fertig sind, können die Sumo-Ringer der niedrigeren Rängen essen. Nach dem Frühstück legen sie sich sofort hin, um die Kalorien in Körpermasse umzusetzen. Ihr zweites Essen bekommen sie etwa um 18:00 Uhr.

 

 

© Yumetabikoubou

JapanSumoMatch

Zwei Ringer im Wettkampf

sumo_wrestler_utagawa2

Ein Sumo Ringer gemalt von Utagawa

kokugikan-sumo

Vor der Wettkampfarena Kokugikan in Tokio am Wettkampftag

[Home] [Themen] [Kultur] [Kunst] [Literatur] [Medien] [Sumo] [Kulinarisches] [Teeweg] [Shintoismus] [Buddhismus] [Gärten] [Matsuri] [Feiertage] [Geschichte] [Reisen] [Service] [Kontakt] [Impressum]