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Sumi-e

Sumi-e: Die Tuschmalerei

Die japanische Tuschmalerei wurzelt in der asketischen Haltung der Zen-Mönche. Sie arbeitet daher mit sparsamsten Mitteln, Linien und Schattierungen.

Sie will mehr andeuten als aussprechen und ist in ihrer Weltdistanziertheit der Gegenpol zur lebensfrohen Kunst Yamato-e. Die Kunst der Tuschmalerei erfordert eine hochgradige Beherrschung des Materials, denn jeder Pinselstrich auf Seide oder Papier ist unwiderruflich. Das Zauberwort der Tuschmalerei heißt “Notan“. Dieser Begriff bezeichnet tiefe und gleichzeitig leichte Töne. Weil die Dinge aller Farbe entkleidet sind und aus dem Zusammenhang mit der Umgebung gelöst werden, wird ihre innere, geistige Struktur spürbar. Ihr wirklicher Charakter erscheint. Je sparsamer die Mittel der Darstellung, je fragmentarischer das Ganze zu werden scheint, desto bedeutender und hintergründiger wird der Ausdruck der Linie.(s. http://de.wikipedia.org/wiki/Sumi-e)

 In China wurde die Technik der Tuschmalerei im 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. entwickelt, zuerst um Landschaften realistischer zeichnen zu können. Als die Zen-Lehre sich in China weiter zu verbreiten begann wurde diese Technik dazu benutzt, Überlieferungen oder wichtige Persönlichkeiten der Zen-Philosophie auf diese Weise darzustellen.

Die Tuschmalerei wurde in der Kamakura-Zeit (1185-1333) zusammen mit der Zen-Lehre in Japan eingeführt. Seit Ende des 13. Jahrhunderts reisten Mönche oft zwischen China und Japan. Die chinesischen Mönche brachten dabei Malereien, Literatur und andere Kulturgüter nach Japan mit. In Japan wurde die Tuschmalerei am Anfang fast ausschließlich als buddhistische Malerei weiter entwickelt.

Tuschebilder wurden häufig Schülern von ihren buddhistischen Lehrmeistern übergeben, gewissermaßen als Abschlusszeugnis. Es handelte sich dabei entweder um Abbildungen des Meisters oder des Mönchs Daruma, der als Begründer der Zen-Lehre gilt. In der Muromachi-Zeit erreichte die Tuschmalerei ihren kulturellen Höhepunkt, weil die Shogun- Familie Ashikaga die Zen-Lehre sehr unterstützte. Besonders der Shokoku-ji Tempel und der Tofuku-ji Tempel, welche die Familie Ashikaga hoch schätzte, brachte viele in der Sumi-e-Technik begabte Mönche hervor.

Der achte Shogun, Ashikaga Yoshimasa, förderte den Import der chinesischer Kulturgüter, etwa Teetassen, Teeutensilien und Malereien. Dank seines kulturellen Interesses wurden unzählige chinesische Tuschemalereien nach Japan importiert.

Im 15. Jahrhundert wurde eine ganze Reihe von so genannten Sigajiku von Zen-Mönchen geschaffen. Sigajiku sind eine Art Rollbild. In der unteren Hälfte des Rollbildes befindet sich eine Tuschmalerei, auf dem oberen Teil findet man ein chinesisches Gedicht, das mit dem Bild in Zusammenhang steht.

 

Sesshu (1420-1506)

Sesshu ist der bekannteste Zen-Mönch der Muromachi-Zeit und er gilt als der wahrscheinlich größte Tuschemaler überhaupt. Er wurde 1420 in der Provinz Bitchu (dem jetzigen Okayama) geboren.

Nach der Überlieferung trat er schon als kleiner Junge in einen Tempel in seinem Geburtsort (Hofuku-ji) ein. Der kleine Sesshu beschäftigte sich nur mit dem Zeichnen, und er zeigte für das Rezitieren der Sutras kein Interesse. Der Mönch, der ihn unterrichtete, band ihn daher an einem Pfosten fest, um seinen Hang zum Zeichnen zu unterbinden. Der gefesselte Sesshu weinte und weinte, dann malte er aus seinen Tränen mit seinem großen Zeh auf dem Boden eine Maus. Der Mönch war von diesem ganz besonderen Werk so beeindruckt, dass er Sesshu schließlich wieder erlaubte zu malen.

Später trat Sesshu in den Tempel Shokoku-ji in Kyoto ein. Aber er konnte das Leben in Kyoto nicht leiden und so zog er 1464 unter dem Schutz von Ouchi Yoshitaka, einem einflussreichen Daimyo, nach Yamaguchi. Dort gründete Sesshu eine Malerwekstatt, die Unkoku-an hieß. Dahinter stand Ouchi Yoshitaka, der sich für Kultur sehr interessierte. Im Jahr 1468 reiste Sesshu von Yamaguchi aus nach Peking (China). Sesshu hatte die Chance, für zwei Jahre in China Malerei zu studieren. Kurz vor seiner Rückkehr nach Japan malte er sogar in Peking für ein amtliches Gebäude ein Wandgemälde. 1469 verließ er China und kehrte nach Japan zurück. Er hielt sich eine Weile in der Provinz Mino (dem jetzigen Gifu) auf, dort schuf er seine meisten Werke. Später kehrte er aber nach Yamaguchi zurück, wo er im Jahr 1506 starb.

Sesshu war Zeit seines Lebens nicht im Dienst der Shogune. Relativ unabhängig lebte er in der Provinz. Dabei war er auch als Gartengestalter berühmt und gefragt.

Sechs seiner Werke wurden zum Nationalschatz erklärt. Seine repräsentativsten Werke sind Herbstlandschaft, die Winterlandschaft und Aussicht von Amano Hashidate.

Die ersten beiden Werke sind im Nationalmuseum in Tokio zu sehen, letzteres befindet sich im Nationalmuseum in Kyoto.

 

Hasegawa Tohaku (1539-1610)

Hasegawa Tohaku wurde im Jahr 1539 in Noto (der heutigen Ishikawa Präfektur) geboren. Am Anfang seiner Karriere malte er größten Teils buddhistische Motive. Hasegawa Tohaku beschäftigte sich aber neben der Tuschmalerei auch mit Kinpeki-shouhekiga. Kinpeki-shouhekiga bezeichnet die Technik, auf goldenem Hintergrund mit starken Farben, zum Beispiel Grün oder Blau zu malen.

Als Hasegawa nach Kyoto kam, lernte er durch Vermittlung des Teemeisters Sen no Rikyu die chinesische Malerei kennen. Er rivalisierte mit den Malern der Kano-Schule, die sich in ihrer Blütezeit befand, und einen eigenen, markanten Stil entwickelt hatte.

Sein Privatleben war alles andere als glücklich. Sein ältester Sohn, der ein großes malerisches Talent zeigte, starb viel zu früh. Und als er selbst schon im fortgeschrittenen Alter war, verletzte er sich bei einem Unfall so schwer, dass sein rechter Arm gelähmt blieb. Auf Befehl von Tokugawa Ieyasu reiste er nach Edo (heute Tokio), aber am zweiten Tag in Edo starb er im Alter von 71 Jahren an einer Krankheit.

Hasegawas Werke zeichnen sich durch ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit und Feingefühl aus.

Sein bekanntesten Werke:

  • Der Kiefernwald. (Tuschmalerei) Ein Wandschirm, auf dem ein Kiefernwald dargestellt ist. Das Werk drückt die räumliche Weite und die feuchte Luft, die im Wald herrscht, auf hervorragende Weise aus. Das Werk ist im Nationalmuseum in Tokio zu sehen.
  • Eine Scheidewand, die dem Tempel gewidmet war, der zum Gedächtnis an den gestorbenen Sohn von Hideyoshi gebaut wurde. Der Tempel existiert nicht mehr, aber die Scheidewand findet sich zum Teil im Chishaku-in Tempel in Kyoto.

 

 

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© Yumetabikoubou

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Winterlandschaft von Sesshu

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