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Shintoismus

Der Shintoismus

Nach der ältesten tradierten japanischen Schöpfungsgschichte wurde Japan mit allen seinen Geschöpfen von der Göttin Izanami und dem Gott Izanagi erschaffen.

Ihre Tochter, Amaterasu Omikami (deren Name im Deutschen so viel bedeutet wie „die am Himmel erscheinende große Gottheit“) herrschte in Takamanohara, den himmlischen Gefilden, in denen die Götter wohnen. Amaterasu, die mit der Sonne gleichgesetzt wird, beauftragte ihren Enkel, auf der Erde eine ewig andauernde Dynastie des Tenno-Geschlechts (Kaiserfamilie) zu gründen. Daher wird Amaterasu Omikami als Gründerin des japanischen Kaiserhauses betrachtet. Da die Götter alles gleichzeitig in einem Zug erschufen, glaubt man, dass alle Dinge in Japan tief miteinander verbunden sind und alle Dinge denselben Ahnherrn und Ursprung haben. Ganz Japan stellt eine gottgegebene Einheit dar.

Das Wort „Shinto“, das chinesischen Ursprungs ist, bedeutet wörtlich „Weg der Götter“, und in dem ältesten historischen Buch, dem „ Nihonshoki “ (720 n. Chr.) wurde das Wort „Shinto“ zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Aber man vermutet, dass die Bedeutung dieses Begriffs im Nihonshoki völlig anders war als die Bedeutung des späteren oder jetzigen Shintos.

Über den japanischen Volksglauben vor Einführung des Buddhismus und der chinesischen Schrift ist nicht viel bekannt. Deswegen ist unser Wissen über die prähistorischen, religiösen Verhältnisse in Japan leider äußerst begrenzt. Der Begriff „Shinto“ selbst hat sich erst herausgebildet, als man dem japanischen Volksglauben nach der Einführung des Buddhismus eine Bezeichnung verleihen musste.

Es ist immer noch eine umstrittene Frage, ob der Shintoismus als eine Religion angesehen werden kann. Im Shintoismus existieren zwar viele überirdische Gottheiten (kami), aber es gibt keine klaren, moralischen Gebote und keine heilige Schrift, der sich die Anhänger unterwerfen mussten. Als Kami können im Shintoismus alle Arten von Wesenheiten und Dingen fungieren: übermenschliche Naturerscheinungen, Berge, Bäume, Flüsse und auch hochgestellte menschliche Persönlichkeiten. Der Shintoismus hat damit einen gewissen pantheistischen Charakter; letzten Endes ist alles göttlich beseelt. Gleichzeitig erweist sich diese Religionsform dadurch als äußerst flexibel.

Diese Flexibilität dem Gottesbegriff gegenüber hat sich in der japanischen Religion bis heute erhalten. Im Gegensatz zu den Anhängern monotheistischer Glaubenssysteme sind Japaner ohne Problem bereit, verschiedenste metaphysische Weltsysteme nebeneinander zu akzeptieren.

 

Entwicklungsstadien

Der Shintoismus hat in seiner Geschichte mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen.

In vor-buddhistischer Zeit verehrte man zahlreiche lokale Gottheiten, unabhängig davon ob es sich um gute oder schlechte Götter handelte. In den meisten Fällen wurden die Gottheiten in Zusammenhang mit Ehrfurcht gebietenden Naturerscheinungen wie Bergen, Felsen oder Bäumen verehrt. Man verehrte schlicht alles, was die menschliche Macht überstieg, als Gott.

Vom 6. Jahrhundert bis 7. Jahrhundert wurde der Buddhismus aus China eingeführt. Die Lehre des Buddhismus stieß zwar anfangs auf Widerstand, vermengte sich aber relativ rasch mit der shintoistischen Götterwelt. Ohne große Reibungsverluste entwickelten sich der Buddhismus und der Shintoismus gemeinsam zu einer für Japan eigentümlichen Religion. Aus shintoistischer Perspektive wurde Buddha als Kami ins eigene metaphysische Weltsystem integriert. Umgekehrt wurden etwa in den einflussreichen buddhistischen Richtungen Tendai und Shingon die shintoistischen Gottheiten als Inkarnationen oder Manifestationen Buddhas aufgefasst: Buddha kommt in unsere Welt in der Gestalt der Gottheiten des Shintos, um uns aus unserer Not und von unseren Schmerzen zu erlösen. Die Verschmelzung von buddhistischen und shintoistischen Elementen setzte sich bis zum Anfang der Meji-Zeit fort.

Neben diesem Fusionsprozess gab es seit der Edo-Zeit (1603-1868) jedoch auch eine gegenläufige Richtung. Eine einflussreiche Schule, die Kokugaku (wörtlich Lehre des Landes) mit ihrem bekanntesten Vertreter, Motoori Norinaga (1730-1801) plädierte dafür, dass der Shintoismus von allen fremden Ideen zu reinigen und zu seiner Urform, die er vor der Einführung Buddhismus hatte, zurückkehren müsse.

In der Meiji-Zeit (1868-1912), als das Tokugawa Shogunat zu Fall kam und sich die Idee eines modernen Nationalstaats unter der Führung des Tenno durchsetzte, wurde die strikte Trennung von Shintoismus und Buddhismus herbeigeführt. Dem Kaiser (Tenno) wurde als oberste Instanz die Befugnis über Japan zu regieren erteilt. In dieser Phase wurde der Shintoismus zur offiziellen Staatsreligion erklärt. Durch die shintoistische Identifikation des Tenno mit Gott konnte auf diese Weise die Meiji-Restauration religiös-ideologisch legitimiert werden. Der Shintoismus wurde politisiert und trug wesentlich dazu bei, dass der Tenno wieder die Macht ergreifen konnte.

Es wurde ein Gesetz zur „Trennung von Kami und Buddhas“ erlassen. Durch dieses Gesetz, wurde der gemeinsame Kult von buddhistischen und schintoistischen Institutionen verboten. Viele Tempel wurden zerstört, während viele Schreine als Verehrungsstätten des Tennos renoviert wurden. Jeder Japaner, ungeachtet seiner religiösen Überzeugung, war angehalten, dem Tenno in Form von Schreinbesuchen seine Reverenz zu erweisen. Diese Art des Shintoismus wird als Staats-Shinto (Kokka-Shinto) bezeichnet. Shintoistische Regeln wurden zur staatsbürgerlichen Pflicht.

Im 2. Weltkrieg wurde der Shinto für nationalistische und kolonialistische Zwecke instrumentalisiert. Japaner errichteten einige Schreine in China und Südkorea, wo sie Gebiete besetzt hielten, und zwangen die lokale Bevölkerung dem japanischen Tenno ihre Ehre zu erweisen. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1945 kam es zu einem offiziellen Verbot des Staats-Shinto. 1946 widerrief der Showa-Tenno öffentlich die falsche Vorstellung von der Göttlichkeit des Kaisers. Danach wurde der Shintoismus wieder zu einem einfachen Volksglauben “degradiert”. 

Mit der praktischen Abschaffung des Staats-Shintoismus 1945 verloren alle Schreine ihren offiziellen Charakter und ihre Eigenschaft als Verehrungsstätten für den Kaiser. Aber trotzdem werden besonders drei Schreine immer noch als wichtige, nationale Schreine verehrt.

 

1. Der Ise Schrein: Der Hausschrein der Kaiserfamilie in der Mie Präfektur.

2. Der Yasukuni Schrein: Diese rin Tokyo liegende Schrein ist den Seelen der in den Kriegen gefallenen Japaner gewidmet.

3. Der Meiji Schrein: Der Ort, an dem der Meiji-Kaiser, der Japan mit der Hilfe der Ideologie des Staats-Shinto modernisierte, ruht. (in Tokio)

 

Das Reinigungsritual

Die Reinheit und die Lebensführung in Übereinstimmung mit dem Willen der Götter werden als die wichtigste ethische Praxis betrachtet. Das Reinigungsritual (Harai oder Harae) spielt eine zentrale Rolle in der shintoistischen Liturgie. Dieses Reinigungsritual wird auch heute noch bei wichtigen Anlässen vollzogen. Zum Beispiel beim Häuserbau, bei Hoteleröffnungen, bei Schiffstaufen und beim Tod des Kaisers. Dabei schwenkt der Shinto-Priester Zweige eines heiligen Baumes um die Götter milde zu stimmen und alles Üble und Böse fern zu halten. Zu den Reinigungsritualen gehört zum Beispiel auch, dass man sich den Mund mit fließendem, klaren Wasser aus dem Brunnen vor dem Schreineingang spült, bevor man den Schrein betritt. Shintoistischen Ursprungs ist auch die Sitte der Japaner kurz vor dem Jahreswechsel ein gründliches Großreinemachen zu Hause oder auch im Büro durchzuführen.

 

Merkmale des Shintoismus

1. Das Torii-Tor ist eines der markantesten Zeichen eines Shinto-Schreins. Viele Torii-Tore wurden aus rot lackiertem Holz gebaut. Manche Tore sind aber auch aus Stein oder Beton. Alle Tore haben einen doppelten Sturzbalken. Die meisten Japaner glauben, dass das Torii-Tor das zentrale Unterscheidungsmerkmal eines Schreins von einem Tempel darstellt. Aber interessanterweise gibt es ein paar Ausnahmen. Einer der ältesten buddhistischen Tempel in Japan, der Shitenno-ji Tempel in Osaka, besitzt zum Beispiel ein Torii-Tor. Aus solchen Beispielen zieht man den Schluss, dass es in früheren Zeiten wohl mehrere buddhistische Tempel gegeben haben muss, die ein Torii-Tor besaßen.

2. Das Shimenawa ist ein Strick aus Reisstroh. Es hängt über Eingängen innerhalb von Schreinen und trennt den heiligen vom profanen Bereich. Das Shimenawa und weiße Papierstreifen dienen als ritueller Schrein-Schmuck.

Außerhalb von Schreinen, dient das Shimenawa auch als Kennzeichen von heiligen Gegenständen. Zum Beispiel Bäumen und Felsen. Zuhause hängt man es am Neujahr vor die Haustür, um Übel, Krankheit und alles Böses zu verscheuchen. Wenn man zu Hause einen großes Hausalter hat, schmückt das Shimenawa manchmal auch diesen Altar. 

3. Das Ema ist eine kleine Holztafel, auf der ein Glück verheißendes Symbol dargestellt ist. Man kann auf deren Rückseite seine Wünsche schreiben und sie an einer entsprechenden Vorrichtung im Schrein aufhängen. Dabei verrichtet man im Inneren sein Gebet, um die Aufmerksamkeit des Gottes zu wecken. Besonders Frauen, die einen Mann fürs Leben kennen lernen möchten, und Studenten, die eine Aufnahmeprüfung für die Universität vor sich haben, führen die Ema-Zeremonie durch.

4. Omamori sind Glücksbringer. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um kleine Stoffsäckchen, in denen ein Stück Papier oder ein ganz dünnes Holzstück steckt, worauf ein Spruch geschrieben ist. Die Omamori stellen Wünsche zum Erhalt der Gesundheit, zur Genesung, zur Fruchtbarkeit, zum Schutz vor Unfällen, zum Bestehen von Prüfungen usw. dar. Man kann überall in Japan in allen Schreine solche Omamori kaufen.

Vorsicht! Wenn man das Stoffsäckchen öffnet, weil man aus Neugierde gern mal hinein schauen möchte, um zu sehen, was sich darin verbirgt, dann wirkt es angeblich nicht mehr. Die meisten Japaner besorgen sich ein solches Omamori jährlich beim ersten Schreinbesuch Anfang des Jahres. Das alte Omamori darf man nicht einfach wegwerfen, sondern man muss es zu einem speziellen Platz in der Schreinanlage bringen und es dort entsorgen. Andernfalls zieht man den Zorn der Götter auf sich. Die Omamoris des letzten Jahres werden von betenden Priestern verbrannt.

 

Wenn man einen Schrein besucht, und vor Gott beten möchte, geht man folgender Maßen vor. Zunächst läutet man die Schelle, um die Aufmerksamkeit des Gottes zu wecken. Dann verbeugt man sich einmal als Zeichen des Grußes, danach wirft man eine Münze als Opfergabe in eine hölzerne Kiste. Dann verbeugt man sich erneut zweimal, klatscht zwei Mal in die Hände und verbeugt sich noch einmal.

Alljährlich in der Neujahrsnacht oder in den ersten Tagen des neuen Jahres besuchen Millionen Japaner einen Schrein, um Gesundheit oder Glück für das neue Jahr zu erbitten. Neujahr ist für die Japaner von ähnlicher Bedeutung wie Weihnachten oder Ostern für Europäer. Auch die Hochzeit, mit der ein neues Lebensstadium beginnt, feiern viele Japaner nach shintoistischem Ritual.

 

© Yumetabikoubou

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Torii-Tore

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Shinto-Priester

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Omikuji: shintoistische Wahrsagezettel

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