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Kyoto Matsuri

Die größten Feste in Kyoto

 

(1) Das Gion-Fest

 

Das Gion-Fest hat seinen Ursprung im Yasaka-Schrein.

In dem Geschichtsbuch „Sandai Jitsuroku“ (901) findet man den Ursprung dieses Festes beschrieben: Anfang des 8. Jahrhunderts wütete eine schlimme Seuche in Kyoto, der viele Einwohner zum Opfer fielen. Mann glaubte, dass hinter der Katastrophe die rachsüchtigen Seelen gestürzter und hingerichteter Politiker standen. Um die fraglichen Seelen zu besänftigen, erkannte man ihnen den Status von Gottheiten zu. Die Maßnahme griff jedoch nicht, denn die Seuche trieb weiter ihr Unwesen. So verfiel man auf die Idee, einen speziellen Gott auf besondere Weise anzubeten und um Beistand zu bitten. Bei diesem Gott handelte es sich um „Susano o no mikoto“. Susano o no mikoto wurde wegen eines Verbrechens aus dem Himmel verbannt, aber er besserte sich, versuchte sein Schicksal zu überwinden erlangte als der erste shintoistische Gott die Erleuchtung. Dieser Gott wird immer noch überall in Japan unter dem Namen „Gion-Gott“ angebetet.

Im Jahr 869, am 7. Juni versammelten sich viele Menschen im großen Garten, wo normalerweise die Priester um Regen beteten, und beteten zum Gott Susano o no mikoto um das Ende der Katastrophe. Man stellte 66 Hellebarden auf, deren Anzahl der Anzahl der damaligen Provinzen entsprach, und der Gott, Susano o no mikoto, wurde aus dem Yasaka-Schrein mit einer Sänfte zum Ort des Gebets transportiert.

Die genaue Entwicklung dieses Festes vor dem Jahr 970 ist unklar. Nach dem Register des Yasaka-Schreins, wird das Fest seit 970 regelmäßig mit Ausnahme von Unterbrechungen aufgrund von Kriegen gefeiert. Das Fest hat somit eine über 1000-jährige Geschichte.

Im Jahr 999 machten ein paar Straßenkünstler die Hellebarden nach und marschierten damit hinter dem Festzug her. Jahr für Jahr nahmen immer mehr Menschen mit selbst gebastelten Hallebarden an dem Festzug teil. Im Lauf der Zeit wurden die Hellebarden auf Karren befestigt, um den Transport der Hellbarden beim Festzug zu erleichtern. Das ist das Caharkteristikum des Gion-Festes. In der Muromachi-Zeit (1334-1573) nahm die Anzahl der Karren zu; auch wurden sie immer prächtiger. Während der Edo-Zeit (1603-1867) verschwand langsam die religiöse Bedeutung des Festes und das Fest wurde nicht mehr staatlich, sondern von den Bürgern veranstaltet. In Edo-Zeit blühte die Kultur unter den Bürgern. Und das Fest wurde auch zum Anlass genommen, die Entfaltung des Bürgertums zu verdeutlichen. Es gibt auch heute noch einige Wandschirme, die Szenen des Gionfestes zeigen.

In der Gegenwart kümmern sich 32 verschiedene Gruppen, eine Art Sponsoren um 32 Yamahoko (Hellebarden mit einer Karre). Sie sammeln Spenden, um die Yamahoko zu pflegen, aufrechtzuerhalten, und wenn nötig zu reparieren. Alle 32 Yamahoko sind sehr prächtig, sind jeweils mit Tapestrien aus Belgien, aus der Türkei, aus Persien und China oder mit Goldschmuck verziert. 29 Yamahoko der 32 wurden zum Nationalschatz erklärt.

Das Yamahoko, das jedes Jahr den Festzug anführt, heißt „Naginata Boko“. „Naginata“ bedeutet „Hellebarde“. Die Spitze des „Naginata Boko“ ist mit einer langen Hellebarde bestückt, die symbolisch das Böse und alle Krankheiten verbannen soll. Auf dem „Naginata Boko“ wird als einzigem Yamahoko die Tradition weitergeführt, dass ein geschminktes Mädchen mitfährt. Die Reihenfolge der anderen Yamahoko wird durch das Los entschieden.

Das „Naginata Boko“ ist etwa 25 Meter hoch und 12 Tonne schwer. Die Hellebarde selbst ist etwa 17 Meter lang. Alle Yamahoko werden jedes Jahr nach dem Fest abgebaut und vor dem Fest wieder aufgebaut. Um ein Yamahoko aufzubauen, abzubauen oder um es während des Festzugs zu ziehen, benötigt im Durchschnitt 180 Menschen.

Das Gion-Fest wird im ganzen Juli hindurch gefeiert. Der Höhepunkt ist aber der Festzug der 32 Yanahoko, der am 17 Juli stattfindet. Um 9 Uhr morgens starten die Yamahoko aus der „Shijo-Dori“, über „Kawaramachi-Dori“ bis zu „Oike-Dori“. Das Ganze sieht aus wie ein wanderndes Museum. Was man nicht übersehen darf, ist das Wenden der Yamahoko an der Kreuzung. An dem Tag säumen über 400,000 Besucher den Straßenrand. Vom 14. bis 16. Juli kann man die frisch aufgebauten Yamahoko anschauen. Am Abend sind sie sogar beleuchtet.

Weil der Gott Susano o no mikoto unter dem Namen „Gion-Gott“ bekannt ist, wurde das Fest auch das Gion-Fest genannt. Es gibt viele Schreine überall in Japan, die dem Gott, Susano o no mikoto, geweiht sind. Deshalb finden Gionfeste nicht nur in Kyoto, sondern auch an anderen Orten statt. Ablauf und Ausstattung sind jedoch ganz unerschiedlich.

 

(2) Das Aoi-Fest

Das Aoi-Fest, oder offiziell das Kamo-Fest, stammt aus dem Kamigamo-Schrein und dem Shimogamo-Schrein.

Nach den Schrein-Aufzeichnungen geht der Ursprung dieses Festes weit in die japanische Vergangenheit zurück. Anlass waren auch hier wieder Naturkatastrophen, die Mitte des 6. Jahrhunderts das Land und die Bevölkerung heimsuchten. Schwere Hungersnöte und schreckliche Seuchen waren die Folge. Der Kaiser Kinmei befahl einem Wahrsager, der Urabe no ikiwakahiko hieß, eine Lösung für diese Katastrophen zu finden. Der Wahrsager gab dem Kaiser den Rat, ein Fest zu veranstalten, um die Götter zu besänftigen. Im Jahr 567 wurde das erste Fest vom Kaiser Kinmei abgehalten. Man hing Glocken an die Hälse der Pferde, trug Wildschweinmasken und rannte miteinander um die Wette. Nach diesem Fest wurde Japan tatsächlich in Ruhe gelassen. 819 wurde dieses Fest zur wichtigsten staatliche Veranstaltung erklärt. Der Ablauf des Festes wurde in einer Reihe historischer Werke beschrieben, so im „Makra no soshi“(um 1000) und im „Genji-monogatari“ (in der Heian-Zeit). Es war so einzigartig, das es in diesen Werken nur als „das Fest“ bezeichnet wurde. Und es war nur der staatlichen Elite vorbehalten. Die Teilnahme und sogar das Zuschauen war den einfachen Bürgern untersagt.

Nach dem Onin-Krieg(1467-1477) bis 1693, etwa 200 Jahre lang, vom Jahr 1871 bis 1883 und von 1943 bis 1952, wurde das Fest nicht gefeiert. Im Jahr 1884 benannte der Meiji-Kaiser das Aoi-Fest mitsamt dem Kasuga-Fest (am 13.März im Kasuga-Schrein in Nara) und dem Iwashimizu-Fest (am 15 September im Iwashimizuhachiman-Schrein in Kyoto) als das Fest, das auf Befehl des Kaisers abzuhalten ist.

Das Aoi-Fest wird am 15. Mai genau nach dem Ablauf, der in der Heian-Zeit festgelegt worden war, abgehalten. Das Fest bestand ursprünglich aus drei Teilen. Das Ritual im Kaiserpalast, das Ritual auf den Straßen und das Ritual vor dem Schrein. In der Gegenwart finden nur die Rituale auf den Straßen und vor dem Schrein statt. Der Höhepunkt des Festes ist das Ritual auf den Straßen, der Festzug. Über 500 Menschen in traditionellen Trachten, die unterschiedlichen Berufe bezeichnen, ziehen durch die Straßen, die zwischen dem Kamigamo-Schrein und dem Shimogamo-Schrein liegen. Der Festzug besteht aus 36 Pferden, 4 Kühen, 2 Ochsenwagen und 1 Sänfte. Der Zug startet um 10:30 Uhr vorm Kaiserpalast, er legt 8 Kilometer Weg über den Shimogamo-Schrein bis zum Kamigamo-Schrein zurück. Der Festzug besteht aus zwei verschiedenen Teilen. Der erste Teil ist der männliche Zug, in dessen Mitte „chokushi“, der kaiserlichen Bote sich befindet, und der zweite Teil ist der weibliche Zug, der seit 1956 wieder fester Bestandteil ist. In der Mitte dieses Zugs wird jene Frau getragen, welche die Kaiserfamilie in der Heian-Zeit als Opfer dem Gott im Kamo-Schrein darbrachte.

Der Name des Festes, Aoi-Fest, stammt von den Blättern der Malve. Malve heißt auf Japanisch „Aoi“. Im Jahr 1694, nach einer 200-jährigen Unterbrechung, wurde das Fest wieder veranstaltet. Der fünfte Shogun, Tokugawa Tsunayoshi ließ bei diesem Anlass alle Wagen, die Kleidung aller Teilnehmer und alle Bambusvorhänge mit den Blättern der Malve verzieren. Die Malve ist das Familienwappen der Tokugawas. So erklärt sich auch der Name des Festes.

Aus Anlass des Festes werden auch ein paar Nebenattraktionen veranstaltet. Die bekannteste Attraktion ist ein Wettbewerb, in der man Pfeile reitend von einem Pferd aus auf drei Zielscheiben schießt. Die Bogenschützen tragen dabei eine Tracht aus der Heian-Zeit. Der Ort des Wettbewerbs liegt im Wald und ist 500 Meter lang.

 

(3) Jidai-Fest

Das Jidai-Fest stammt aus dem Heianjingu-Schrein in Kyoto.

Im Jahr 1895 wurde der Heianjingu-Schrein im Gedenken an den Umzug der kaiserlichen Hauptstadt nach Kyoto im Jahr 794 aufgebaut. Nachdem der kaiserliche Hof und die Hauptstadt 1868 nach Tokio umgezogen waren, war die Stimmung der Bürger In Kyoto auf dem Nullpunkt. Um das zu verbessern, wurde der Schrein aufgebaut und das Jidai-Fest begangen. Das Jidai-Fest findet jährlich am 22. Oktober statt, an dem Tag, als die Hauptstadt von dem Kaiser Kanmu von Nara nach Kyoto verlegt worden war.

Der Festzug besteht aus etwa 2,000 Leuten, die in 18 Reihen hintereinander gehen, in Kostümen, die aus 7 verschiedenen Zeitaltern stammen. Der Zug ist etwa 2 Kilometer lang und dauert 3 Stunden. An der Spitze des Zugs gehen die Soldaten der Meiji-Zeit, sie werden von Leuten gefolgt, die die Tracht und die Werkzeuge tragen, die aus der Edo-Zeit bis zur Enryaku-Zeit in umgekehrter Reihenfolge stammen. Der Zug startet um 12:00 Uhr vor dem Kaiserpalast in Kyoto und endet im Heianjingu-Schrein. Alle Trachten und Utensilien sind historisch belegt. Das Jidai-Fest wird als „die lebende historische Bilderrolle Kyotos“ bezeichnet.

 

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© Yumetabikoubou

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