Bild2a
BuiltWithNOF
Gärten

Japanische Gärten

Der Wandel und die Entwicklung des Gartenstils in Japan ist eng verbunden mit religiösen Vorstellungen und der japanischen Geschichte.. Es gibt vier klassische japanische Gartentypen.

  • Der Paradiesgarten
  • Der Trockengarten
  • Der Wandelgarten
  • Der Teegarten

Diese verschiedenen Gartentypen, die sich über Jahrhunderte hinweg ständig fort entwickelten, teilen viele Elemente und Prinzipien. Allen gemeinsames Ziel war es stets, einen eigenen Mikrokosmos zu schaffen. Aus Steinen, Kies, Wasser, Pflanzen und anderen Elementen entstand eine idealisierte und symbolische Miniaturlandschaft.

Der Paradies- und Trockengarten wurden so angelegt, dass sie von einem Punkt aus überblickt werden konnten, der Wandelgarten lud zum Durchstreifen ein, der Teegarten übernahm eher rituelle Funktionen.

Die erste Erwähnung eines japanischen Gartens findet sich im „Nihonshoki“ (720). Soga no Umako, ein großer Förderer des Buddhismus, legte vor seinem Wohnhaus einen privaten Garten mit einem Teich und einer kleinen Insel darin an. Es darf vermutet werden, dass sein Garten nach chinesischem oder koreanischem Vorbild gebaut war.

Als 794 die Hauptstadt von Nara nach Kyoto verlegt wurde, machte man sich die natürlichen Gegebenheiten in Kyoto zu nutze, um Gärten anzulegen. Berge, Bäche, viel Grün, Steine und Sand aus den nahe gelegenen Flussbetten lieferten dazu das natürliche Material. Nach und nach wurde es unter den Adeligen regelrecht zur Gewohnheit, seinen eigenen Garten zu haben. Dabei stand der chinesische Gartenstil, der so genannte Shinden-Stil im Vordergrund. „Shinden“ heißt „Wohngebäude“ oder “Wohnraum“. Der Gedanke war, vom Wohnhaus aus, den Anblick traumhafter Landschaften genießen zu können. In den Gärten wurden künstliche Seen, Kanäle oder Wasserfälle angelegt. Die chinesisch gekleideten Adligen fuhren mit Booten auf den Seen, bewunderten die reizvolle Landschaft im eigenen Garten und rezitierten chinesische Lyrik. Die Gärten der frühen Heian-Zeit (794-1185) waren voll von Pflanzen und sehr bunt.

In der Mitte der Heian-Zeit, als der Buddhismus immer mehr Anhänger gewann erbauten viele Adlige ihren eigenen Tempel, der auch als Wohnhaus diente. Mit der Verbreitung der Jodo-Schule (Jodo bezeichnet das Paradies nach buddhistischer Vorstellung), begann man immer mehr, so genannte Paradiesgärten zu entwerfen. Paradiesgärten sind so in die sie umgebende Landschaft integriert, dass sie wie ein Teil davon wirken. Bekannt Beispiele sind der Motsuji-Garten (Motsuji-Tempel) in Hiraizumi und die Phönix-Halle des Byodoin-Tempel in Kyoto. Die Halle beherbergt einen Amida-Buddha. Das Haus spiegelt sich im Teich, der den Westlichen Ozean symbolisiert.

Seit dem 10. Jahrhundert, der späten Heian-Zeit suchte man wieder stärker nach den genuin japanischen kulturellen Wurzeln. In vielen kulturellen Bereichen suchte man nach einem japanischen Stil. Dieser Tredn zeigte sich auch in der Gartenarchitektur. Der typisch japanische Shoin-Stil, dessen Kennzeichen Asymmetrien sind, entwickelte sich. „Shoin“ heißt „Arbeitszimmer“ oder „Vorlesung- und Übungsraum im Tempel“. Bei diesem Stil versuchte man kleinteilige, miniaturistische statt weitläufige Landschaften zu schaffen.

Mit dem Einfluß des Zen-Buddhismus wurden immer mehr, besonders in der Muromachi-Zeit (1333-1573) so genannte „Trockengärten“ in den Zen-Tempeln angelegt. Trockengärten bestehen lediglich aus Kies, Steinen und Felsbrocken. Mit kleinsten minimalen Mitteln das Wesen der Natur zu treffen stand ganz im Einklang mit der spirituellen Verfassung der Zen-Lehre, deren Kerngedanke sich vielleicht so ausdrücken lässt: Alles Überflüssige vertreiben und dadurch Erleuchtung erreichen.

Dabei spielte ein Mönch der Rinzai-Schule, Muso Soseki (1275-1351) eine wichtige Rolle. Er hielt die Anlage der Gärten selbst für einen Teil der Zen-Übung.

Die Trockengärten waren relativ klein, im Vergleich zu den Paradiesgärten. Sie wurden gewöhnlich vor den Studierräumen der Mönche angelegt. Auf kleinem Raum wurde eine idealisierte Naturlandschaft verdichtet. Trockengärten dienten den Mönchen als Meditationsobjekt. Deswegen wurden die Steine oder der Sand sorgfältig ausgesucht und in den Gärten angeordnet. Ein der bekanntesten Beispiele für einen Trockengarten ist im Ryoanji-Tempel in Kyoto zu sehen. Dieser Garten präsentiert sich wie eine Tuschmalerei aus Felsen und Kieseln. Was die fünf Paare Felsengruppen aus 15 Steinen bedeuten könnten, ist völlig offen. Aus keinem Blickwinkel sind alle 15 Steine komplett sichtbar. Ein Stein ist immer verdeckt. Wenn man vor dieser Landschaft mit den Felsengruppen und dem Meer aus sorgfältig gerechten Kieseln sitzt, kehrt fast automatisch eine tiefe seelische Ruhe ein, auch wenn viele Menschen anwesend sind.

 Andere sehr bekannte Trockengärten finden sich im Saihouji-Tempel, Tenryuji-Tempel in Kyoto und Zuisenji-Tempel in Kamakura, die alle von Muso Soseki angelegt wurden, und im Daitokuji-Tempel in Kyoto.

Die rasche Verbreitung von Trockengärten hatte sehr wahrscheinlich auch einen profanen, finanziellen Hintergrund. Nach dem Onin-Krieg(1467-1477) war kein Geld mehr zur Errichtung neuer Gärten vorhanden. Auch aus diesem Grund musste man die Gärten in einen ganz reduzierten Stil anlegen.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde oft Teezeremonien veranstaltet. Nachdem die Teehäuser durch Sen no Rikyu etabliert wurden, entwickelten sich langsam Gärten in einem speziellen Teegarten-Stil. Teegärten wurden ausnahmslos so geplant, dass sie das gesamte Teehaus umgaben. Dadurch sollte eine vollkommene Abgeschiedenheit von derAußenwelt erreicht werden. Die Teegäste verlassen die wirkliche Welt, während sie auf einem speziellen Pfad, dem Roji auf das Teehaus zugehen, sie kommen innerlich zur Ruhe und können sich so auf die gleich stattfindende Teezeremonie einstimmen. Eine Wartebank und ein Wasserstein zum Reinigen der Hände, später auch eine Steinlaterne für die nächtlichen Zeremonien waren die Hauptelemente der Teegärten. Die Bepflanzung aus dichtem Bambus oder Sträuchern trägt dazu bei, den Eindruck einer abgeschiedenen Welt entstehen zu lassen. Dabei war wichtig, dass sich dem Besucher alles auf ganz natürliche Weise präsentieren sollte. Auch der Teegarten sollten im Zeichen der Schlichtheit stehen genau so wie die Teezeremonie selbst.

In der Edo-Zeit (1601-1868) legten die Shogune und Lehnsherren um ihre Residenzen oder Wohnhäuser oft einen Wandelgarten an. Sie waren mit Tecihen ausgestattet, die man umrunden konnten, so dass sich mit jedem Schritt der Anblick des Gartens veränderte. Die Landschaft und die Szenerie wurden je nach Geschmack des Besitzers frei gewählt. Hier und da wurden kleine Hütte oder Gartenhäuser errichtet, wo man eine kleine Pause einlegen, die Landschaft in Ruhe genießen und manchmal Kurzgedichte verfassen konnte. Normalerweise wurden diese Art Gärten auf einem weiten Gelände angelegt. Ein oder mehrere Teiche, ein paar Brücken, ein paar Hügel und viele Pflanzen, die in den unterschiedlichen Jahreszeiten blühen, gehörten dazu.

Zu den drei schönsten Wandelgärten in Japan zählen: der Kenrokuen-Garten in Kanauawa, der Kairakuen-Garten in Mito und der Korakuen-Garten in Okayama.

 

Der Korakuen-Garten in Okayama

Im Jahr 1687 begann der Kammerherr Tsuda Nagatada auf Befehl des Lehnsherren Ikeda Tunemasa mit den Arbeiten für diesen Garten. Er vollendete den Garten um 1700. Danach wurde der Garten nach dem Geschmack des jeweiligen Lehnsherren teilweise immer wieder umgebaut. Aber der ursprüngliche Stil ist im Kern immer noch erhalten. Die Anlage ist im Geist des berühmten Gartengestalters Kobori Enshu (1579-1647) entworfen worden. Früher diente der Garten als Erholungsort für den Lehnsherren, oder er wurde für den Empfang von Ehrengästen genutzt. Nur zu bestimmten Terminen stand der Garten auch der allgemeinen Bevölkerung offen. Im Jahr 1884 kam der Garten in den Besitz der Präfektur Okayama. Im Jahr 1934 wurde er überflutet und im Zweiten Weltkrieg wurde er stark zerstört, aber nach den Darstellung auf früheren Zeichnungen wurde er wiederaufgebaut. Die Größe des Geländes beträgt etwa 133000 Quadratmeter und ungefähr 10400 Quadratmeter davon sind Wasseroberflächen.

 

Der Kairakuen-Garten in Mito

Im Jahr 1842 legte der Lehnsherr in Mito Tokugawa Nariaki diesen Garten an, sowohl für sich als auch für die Bevölkerung. Dazu machte Nariaki einen Berg urbar. Im Frühling blühen dort über 3000 Pflaumenbäume in etwa hundert verschiedenen Sorten. Daneben gibt es Azaleen, Süßklee, Ahornbäume und kleine Bambuswälder und Zedernwälder.

 

Der Kenrokuen-Garten in Kanazawa

1676 erbaute der fünfte Lehnsherr Kagas (jetzige Ishikawa Präfektur), Maeda Tsunanori seine eigene Residenz und er fing an, einen Garten um seine Residenz anzulegen. Der Garten war der Ursprung des Kenrokuen-Gartens. Der Kenrokuen-Garten liegt in der Mitte der Stadt Kanazawa, die Hauptstadt der Ishikawa Präfektur und er umfasst eine Fläche von über 100000 Quadratmeter. Er zieht mit seiner Schönheit viele Touristen an.

Der Garten wurde von den aufeinander folgenden Lehnsherren erweitert und immer wieder umgebaut. Jeder Lehnsherr verfolgte beim Gartenbau die gleiche allgemeine Philosophie, die Philosophie des „göttlichen Zauberlands“.

Philosophie. Alle Lehnsherren legten einen großen Teich an, der einen See darstellen sollte und in den Teich setzten sie eine oder mehrere Inseln, eine Wohnstatt der Götter. Der Garten sollte Langlebigkeit und ewiges Glück zum Ausdruck bringen.

Der Garten, den Tsunanori anlegte, hieß „Renchi-Tei“. Man feierte dort ein bekanntes Mondbetrachtungsfest. Im Jahr 1759 wurde der größte Teil des Gartens durch ein Feuer zerstört. Der elfte Lehnsherr Maeda Harunaga baute den Garten erneut auf. Er erbaute im Garten eine Schule und eine Sportschule. Erst im Jahr 1822 wurde der Garten von Matsudaira Sadanobu, dem Lehnsherren Oshus (jetzige Fukushima Prräfektur) in Kenrokuen-Garten umbeannt.

Lange Zeit war der Garten der Bevölkerung nicht zugänglich. Seit 1871 wurde er zu bestimmten Terminen auch für ein größeres Publikum geöffnet. Seit dem Jahr 1874 wurde er allen zugänglich gemacht.

Der Name „Kenroku“ verweist auf die sechs Attribute, die einem Garten idealerweise zukommen. Die sechs Eigenschaften lauten: Weitläufigkeit, Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit, altes Aussehen, fließendes Wasser und weite Ausblicke.

Am Seeufer steht eine „zweibeinige“ Steinlaterne, die „Kotoji“ genannt wird, da sie aussieht wie der Steg eines Kotos (Seiteninstrument). Im Winter wird die „Kotoji“ auf einer besonderen Art vor dem Schnee geschützt. Diese Szene zieht trotz der Kälte viele Touristen an.

 

Wenn Sie keine Zeit haben, einen der drei bekanntesten Gärten Japans zu besuchen und sich in Tokio aufhalten, können wir Ihnen folgende Wandelgärten empfehelen.

Der Rikugien-Garten

Im Jahr 1695 begann der große Kammerherr des fünften Tokugawa Shoguns, Tsunayoshi, Yanagisawa Yoshiyasu den Garten anzulegen und im Jahr 1702 vollendete er ihn. Der Garten ist durchzogen von kleinen Spazierwegen um einen großen Teich herum. 88 Miniaturlandschaften sind dabei zu genießen. Zur Edo-Zeit galt der Garten als schönster Garten Edos. In der Meiji-Zeit (1868-1912) kaufte Iwasaki Yataro, der Gründer der Mitsubishi-Gruppe diese Anlage und renovierte sie in vollem Umfang. 1938 stiftete die Iwasaki-Familie den Garten der Stadt Tokio, und er wurde allgemein zugänglich gemacht. Im Gelände, das etwa 87800 Quadratmeter groß ist, sind über das ganze Jahr hinweg immer unterschiedliche Pflanzen zu sehen. Ein Kirschbaum mit herabhängenden Ästen ist sehr bekannt. Vom Fujishiro- Pass, dem Aussichtspunkt, der auf 35 Meter Höhe liegt, kann man einen hervorragenden Überblick über den Garten haben.

Der Koishikawa Korakuen-Garten

1629 fing der erste Lehnsherr in Mito (Ibaraki Präfektur), Tokugawa Yoshifusa, der elfte Sohn Ieyasus an, hier ein Wohnhaus zu bauen und dazu einen Wandelgarten anzulegen. Das Wohnhaus und der Garten wurden vom zweiten Lehnsherr in Mito, Mitsukuni vollendet. Tokugawa Mitsukuni empfing einen Konfuzianer, Shushunsui aus China. Shushunsui kannte sich sowohl in der konfuzianischen Etikette als auch der Architektur bestens aus. Mitsukuni holte sich bei Schushunsui Rat und führte viele chinesische Landschaftsbilder und Szenerien in den Garten ein, der eine Größe von 70850 Quadratmeter hat.

Die so genannte Vollmondbrücke ist eine der bekanntesten Szenerien im Garten, die Shushunsui selbst entwarf. Hier blühen Anfang Februar viele Pflaumenbäume. Der Pflaumenbaum war Mitsukunis Lieblingsbaum.

 

© Yumetabikoubou

garten_1
garten_2
garten_3

Die Vollmond-Brücke im Koishikawa-Korakuen Garten in Tokyo.

[Home] [Themen] [Kultur] [Kunst] [Literatur] [Medien] [Sumo] [Kulinarisches] [Teeweg] [Shintoismus] [Buddhismus] [Gärten] [Matsuri] [Feiertage] [Geschichte] [Reisen] [Service] [Kontakt] [Impressum]