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Enryaku-ji

Enryaku-ji

Der auf dem 848 Meter hohen Hiei-Berg liegende Enryaku-ji war früher der größte und bedeutendste Tempel in Japan. Auch historisch spielte er eine entscheidende Rolle.

Der Hiei-Berg wurde schon in dem ältesten Geschichtsbuch Japans, dem „Kojiki“(712), erwähnt. Danach wurde der Berg schon von Urzeiten her als heiliger Ort verehrt.

788 n. Chr. erbaute der Mönch Saicho (767-822) auf dem Hiei-Berg eine kleine Einsiedelei. Dieses Gebäude war der Ursprung des Tempels. Im Jahr 792 baute Saicho die Tempelanlage weiter aus und er gab ihr den Namen „Hieizanji“. Saicho errichtet eine Halle, wo jetzt die Konpon-chu-do, das Zentrum des Tempels, steht, und weihte sie einer von ihm geschaffenen Figur, der „Yakushi-nyorai“. (Die Statue, die man heute sehen kann, ist leider nur ein Abbild.)

Der Kaiser Kanmu und einige einflussreiche Adlige unterstützten den Enryaku-ji massgeblich, und zusammen mit dem Kongobu-ji, der 816 von dem Mönch Kukai (774-835) auf dem Koya-Berg gegründet worden war, entwickelte er sich zum Zentrum des Buddhismus in der Heian-Periode.

Der Enryaku-ji wurde gleichzeitig zu einem wichtigen Schutztempel erhoben. Man glaubte nämlich, dass die bösen Geister von Nordosten, da wo der Hiei-Berg lag, nach Kyoto einfallen könnten. Der Tempel erlangte schnell große Macht und er spielte gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Ausbildung junger Mönche. Seit seiner Gründung wurde der Tempel vom Patriarchen der Tendai-Schule verwaltet.

804 wurde Saicho von der Regierung offiziell nach China gesandt, um dort nicht nur die Lehre der Tendai-Schule, sondern auch die anderer Schulen (Kairitsu, Mikkyo und Zen) vertieft zu studieren. Sein Chinabesuch ermöglichte den Mönchen eine Ausbildung in den verschiedensten buddhistischen Lehrgebäuden.

824, nachdem Saicho gestorben war, wurde der Tempel in „Enryaku-ji“ umbenannt.

Der Enryaku-ji hat viele, einflussreiche Mönche hervorgebracht. Sehr bekannt waren beispielsweise Enjin (794-864) und Enchin (814-891). Auch sie bildeten sich in China fort und brachte viele Sutren zu ihrem Heimattempel mit nach Hause. Nach ihrem Tod spaltete sich die Tempelgemeinde jedoch in zwei Lager: eine Partei, die Enchin nahestand und eine Partei, die Enjin unterstütze. Die Kluft zwischen den beiden Parteien vergrößerte sich zusends und im Jahr 993 verließen etwa 1000 Mönche, die zur Enchin-Partei zählten den Enryaku-ji. Sie zogen sich in den Onjyo-ji, der Ende der Nara-Zeit aufgebaut worden war und der allgemein unter dem Namen Mii-dera bekannt ist. Seit dieser Zeit prägte eine richtige Feindschaft das Verhältnis der beiden Tempel. Dabei kam aus auch zu gewalttätigen Kämpfen, was dazu führte, dass auch immer mehr so genannte Kampfmönche die Tempel bevölkerten.

Andere berühmte Mönche des Enryaku-ji waren:

(1) Ryogen (912-985): Er ist bekannt als der Wiederhersteller des Enryaku-ji. Er baute die Tempelanlage wieder auf, nachdem sie durch einen Brand zerstört worden war. Er kümmerte sich darum, den Tempelfrieden zu erhalten und er vermehrte die Ausbildungsmöglichkeiten.

(2) Genshin (942-1016): Er ist der Autor des „Oyo-yoshu“, das auf die Entwicklung der buddhistischen Literatur und Kultur einen großen Einfluss ausübte.

(3) Ryonin (1072-1132): Er propagierte eine neue Form der Anrufung bzw. des Gebets, das für alle Arten von Gottheiten wirksam sein sollte.

(4) Honen (1133-1212): Er ist der Gründer der Jodo-Schule in Japan.

(5) Jien (1155-1225): Er ist der Autor des Geschichtsbuchs „Gukansho“.

(6) Dogen (1200-1253): Er ist Gründer der Soto-Schule.

(7) Shinran (1173-1262): Er ist der Gründer der Jodoshin-Schule.

(8) Nichiren (1222-1282): Der ist der Gründer der sehr erfolgreichen Nichiren-Schule.

Dank der Tätigkeiten all dieser Mönche wuchs der Enryaku-ji zu einem bedeutenden Machtzentrum mit etwa 3000 Zweigtempeln an. Dabei war der Enryaku-ji nicht nur ein moralisches Machtzentrum, sondern auch ein militärisches und politisches. Für die Mönche unliebsame Entscheidungen des Kaiserhauses konnten jeder Zeit dazu führen, dass die gefürchteten Kampfmönche sich auf den Weg nach Kyoto machten, ausgerüstet mit dem Heiligtum, der Sänfte der Götter, und schwer bewaffnet, um so ihrem Willen gehörigen Nachdruck zu verleihen. Die Waffengänge begründeten sie mit ihrem speziellen „Draht“ zu den Wünschen der Götter. Sie verbreiteten bisweilen so viel Furcht und Schrecken, dass selbst der politisch erfolgreiche Kaiser Shirakawa (1053-1129) gestehen musste, es gebe drei Dinge, die er nicht kontrollieren könne: die Fluten des Flusses Kamo, den Fall der Würfel und die Kriegermönche vom Enryaku-ji.

Der erste Machthaber, der den Enryaku-ji zu unterwerfen versuchte, war der sechste Ashikaga Shogun, Yoshinori (1394-1441). Interessanter Weise war Ashikaga Yoshinori ursprünglich unter dem Namen Gien selbst ein Mönch des Enryaku-ji. Doch wegen des plötzlichen Todes seines Bruders, dem Shogun Yoshimochi, musste er das mönchische Leben aufgeben und die Nachfolge seines Bruders als Shogun antreten.

Nachdem Yoshinori als Shogun eingesetzt worden war, forderte er den Enryaku-ji und seine Mönche heraus. Sein Ziel war, die Macht des Klosters entscheidend einzudämmen. 1435 tötete Yoshinori einige einflussreiche Mönche, um dadurch den Widerstand der Mönchsgemeinde zu brechen. Die Mönche aber verschanzten sich nach der Ermordung ihrer Mitbrüder im Konpon-chu-do, darauf gefasst, Yoshinori erbitterten Widerstand zu leisten. In ihrer Verzweiflung begingen viele Mönche schließlich Selbstmord, indem sie die Halle, in der sie Zuflucht gesucht hatten, in Brand setzten. Dabei gingen noch einige andere Gebäude und wertvolle Figuren in Flammen auf.

Noch im gleichen Jahr befahl Yoshinori seinem Kammerherrn den Wiederaufbau der Halle und in wenigen Jahren erstrahlte die Halle in neuem Glanz. (1450 wurde die neue Hauptfigur, die Statue des Heilenden Buddhas, die aus den Resten des verbrannten Originals wiederhergestellt worden war, wieder in der Halle aufgestellt.)

Yoshinori gelang es tatsächlich, zumindest kurzfristig, den Enryaku-ji unter seine Kontrolle zu bringen. Als er aber im Jahr 1441 von einem Samurai getötet wurde, sahen sich die Mönche erneut ermutigt, sich wieder in größerem Umfang zu bewaffnen. Kurz nach dem Tod Yoshinoris gab es bereits wieder einige Tausend Kampfmönche im Enryaku-ji.

Dem ganzen Spuk ein Ende setzte schließlich Oda Nobunaga (1534-1582). Nobunaga, der drauf und dran war, ganz Japan unter seine Kontrolle zu bringen, warf seine ganze Armee gegen die Kampfmönche, die sich ihm standhaft in den Weg zu stellen versuchten. Doch vergeblich. Nobunaga brachte dem Enrjaku-ji eine vernichtende Niederlage bei. In beispielloser Weise wurde der gesamte Tempelberg verwüstet. Ein für alle Mal war damit die Macht des Enryaku-ji gebrochen. Nach dem Tod Nobunagas ließen sein Nachfolger Toyotomi Hideyoshi und die Tokugawa-Shogune die Gebäude wieder aufbauen. Der dritte Tokugawa Shogun, Iemitsu rekonstruierte die Halle Konpon-chu-do. Im Jahr 1625 ließ Iemitsu den Mönch Tenkai einen Tempel der Tendai-Schule, den Kannei-ji, in Edo gründen. Der Enryaku-ji, die Hofburg der Tendai-Schule, verlor damit auch seine moralische Vormachtstellung. Denn der neue Tempel gewann zunehmend an Gewicht.

Heute umfasst der Enyraku-ji wieder etwa 130 Tempel. 1994 wurde die Anlage als heiliger Ort des japanischen Buddhismus zum Unesco Schutz erklärt.

Das Mönchsleben im Enryaku-ji war für seine fast unmenschliche Strenge bekannt. Die Ausbildung zum Mönch erforderte strikte Rituale, Übungen und Prüfungen. Hier ein paar Beispiele:

Wenn ein Mönch zum Hauptpriester in einem Tempel werden wollte, musste er zuerst mindestens 3 Jahre auf dem Hiei-Berg verbringen. In den ersten 2 Jahren arbeitete er als Gehilfe im Jodo-in, wo sich das Grab Saichos befand. Im dritten Jahr musste er eine von zwei sehr schwierigen Prüfungen absolvieren. 

(1) Eine 90-tätige Meditation in Sitzstellung (Zazen). Man durfte sich nur fürs Essen oder den Toilettengang erheben. Auch schlafen musste man in dieser Sitzstellung.

(2) Eine 90-tägige Meditation im Gehen: Dabei lief man 90 Tage lang um die Hauptfigur in der Halle, dem Konpon-chu-do. Man darf dabei zu Buddha beten aber man darf sich nicht hinlegen, um zu schlafen. Zum Schlafen durfte man sich nur kurz gegen ein Geländer lehnen.

Eine noch schwierigere Prüfung konnte nach einer 12-jährigen Übung abgeschlossen werden. Der Gründer Saicho verließ den Enryaku-ji nach dieser 12-jährigen Ausbildung, um der Regierung zu dienen.

Um überhaupt die Berechtigung zu dieser Übung zu erlangen, musste man sich 3000 Male pro Tag vor den Buddhafiguren niederlassen und sich verbeugen. Dabei musste man beide Knie, beide Ellbogen und die Stirn auf den Boden pressen, so lange, bis man die Offenbarung empfängt.

Erst wenn man die Offenbarung des Buddhas empfängt, durfte man den ersten Schritt für die 12-jährige Übung tun. Man schloss sich dazu im Jodo-in ein. Man durfte 12 Jahre lang nicht den Berg verlassen und mit den weltlichen Menschen Kontakt aufnehmen. Jeden Tag betete man drei Mal pro Tag intensiv und man brachte zwei Mal dem Grab Saichos etwas Essen.

Die extremste Übung hieß die 1000-tägige Wanderübung. Nur ausgewählte Mönche hatten darauf das Recht. Die Vorschrift verlangte von den Mönchen, Selbstmord zu begehen, wenn sie diese Übung nicht bis zum Ende durchführen konnten. Deswegen trugen alle diese Mönche ein Seil bei sich, um sich erhängen zu können und einen Dolch, um sich zu erstechen.

Die ersten 700 Tage wanderte der Mönch auf dem Hiei-Berg, und er besuchte alle Tempel. Normalerweise machte er sich um 2 Uhr morgens auf den Weg und die 30 Kilometer lange Wanderung dauerte etwa 6 Stunden. Dafür war es nur erlaubt, Strohsandalen zu tragen. Nach der 700-tägigen Wanderübung musste er eine sehr harte folterartige Übung überstehen. Er durfte 8 Tage lang nicht essen, trinken, schlafen und oder sich auch nur hinlegen. Dann setzt er die 100-tägige Wanderübung fort, aber er musste dabei nun einen Tempel in Kyoto zusätzlich besuchen. Dabei waren täglich etwa 60 Kilometer zurück zu legen. Die folgenden 100 Tage wurde verlangt, ein paar zusätzliche Tempel in Kyoto aufzusuchen. Das hieß, dass der Mönch etwa 84 Kilometer hinter sich bringen musste. Und wenn er schließlich noch 100 Male die 30 Kilometer lange Wanderübung auf dem Hiei-Berg schaffte, hatte er die Prüfung bestanden.

Diese 1000-tägige Wanderübung wurde um 865 von So-o eingeführt, der ein Schüler Saichos war. Diese Übung musste innerhalb von 7 Jahren geschafft werden. Urkunden zufolge absolvierten 47 Mönche diese Übung und 3 von ihnen schafften sie sogar zwei Mal.

Diese Exerzitien werden auch heute noch durchgeführt.

 

Die Anlage des Enryku-ji besteht aus drei Teilen: Toto, Saito und Yokawa.

(1) Toto: Der östliche Bereich, er ist der ursprüngliche Ort des Tempels, das Gebiet um den Konpon-chu-do.

Der Konpon-chu-do ist das wichtigste Gebäude des Tempels, das an dem gleichen Ort steht, wo Saicho seine Einsiedelei aufgebaut hatte. Diese Halle enthält eine Statue des heilenden Buddhas, die Saicho zugeschrieben wird.

Das gegenwärtige Gebäude wurde nach dem Überfall Oda Nobunagas durch die Unterstützung Tokugawa Iemitsus 1642 wiederaufgebaut. Der von einem 90 Meter langen Korridor umgebene Konpon-chu-do ist seit 1954 ein Nationalschatz Japans. Die Breite beträgt 37,6 Meter, die Tiefe 23,9 Meter und die Höhe bis zum Dach 24,2 Meter. Der Boden des innersten Teils ist etwa drei Meter tiefer als der des anderen Teils.

Der Jodo-in gehört auch zu diesem Bereich, steht von den anderen Gebäuden aber etwas isoliert. Der Jodo-in ist mit einem 15-minütigen Spaziergang vom Konpon-chu-do aus zu erreichen. Diese Halle ist Saichos Grabstätte, deswegen wird sie als der heiligste Ort in der ganzen Tempelanlage betrachtet. Die Mönche, die hier ihre 12-jährige Übung machen, bringen immer noch jeden Tag Saicho das Essen und fegen fein säuberlich die Halle.

Das Schatzmuseum liegt auch in diesem Bereich.

 

(2) Saito: der westliche Bereich.

Der Shaka-do ist die Haupthalle in diesem Gebiet. Das ursprüngliche Gebäude wurde von Nobunaga zerstört und 1595 versetzte Toyotomi Hideyoshi die Halle

des Mii-dera-Tempels hierher. Die Buddhafigur, die sich in der Halle befindet, ist leider nur eine Kopie, aber sie wurde dem Original, das angeblich Saicho selbst gemacht haben soll, getreu nachgebildet. Der Ruri-do ist das einzige Gebäude, das den Überfall Nobunagas überstand.

Der Jogyo-do und der Hokke-do, zwei ganz identische Gebäude, liegen dicht nebeneinander. Vom Betrachter aus auf der rechten Seite ist der Hokke-do zu sehen. Hier meditieren die Mönche über das Lotos-Sutra. Auf der linken Seite befindet sich der Jogyo-do, dessen Altar die Mönche für ihre Übungen ständig umrunden.

 

(3) Yokawa: das ist der Bereich, den der Mönch Enjin um 850 ausbaute.

Der Yokokawa-chu-do wurde 1942 durch einen Blitzschlag zerstört und das jetzige Gebäude stammt aus dem Jahr 1971.

 

Zwischen diesen 3 Bereichen pendeln Busse, mit denen man sich an die verschiedenen Orte transportieren lassen kann. 

 

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© Yumetabikoubou

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